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Vertrieb

Vom Homes Passed zum Vertrag: Feldvertrieb als Teil der Infrastrukturplanung

Ausbau und Vermarktung werden getrennt geplant, getrennt vergeben und getrennt gemessen. Genau in dieser Trennung liegt die Ursache für die schwache Anschlussquote deutscher Glasfasernetze.

Fachredaktion We-three GmbH 7 Minuten Lesezeit
Promotionteam am Point of Sale

In den meisten Glasfaserprojekten sind Bau und Vertrieb zwei Welten. Der Bau wird über Leistungsverzeichnisse gesteuert, in Metern abgerechnet und über Bauzeitenpläne terminiert. Der Vertrieb wird über Kampagnen gesteuert, in Abschlüssen abgerechnet und über Aktionszeiträume terminiert. Beide berichten an unterschiedliche Bereiche.

Diese Trennung ist organisatorisch nachvollziehbar und in der Sache falsch. Denn die Kennzahl, an der ein Netz am Ende gemessen wird – die Anschlussquote – entsteht ausschließlich im Zusammenspiel beider Bereiche. Und sie liegt in Deutschland bei rund 27 Prozent.

Wo die Trennung konkret Schaden anrichtet

Falsches Timing

Eine Vermarktungskampagne, die zu früh startet, verspricht Anschlüsse, deren Termin sich verschiebt. Eine, die zu spät startet, trifft auf Haushalte, die den Bau bereits erlebt und keinen Anlass mehr gesehen haben, zu buchen. Das richtige Zeitfenster ergibt sich aus dem Bauzeitenplan – der dem Vertrieb häufig nicht in verwertbarer Form vorliegt.

Nicht belastbare Aussagen

Die häufigste Frage an der Haustür lautet: „Wann liegt das bei mir?" Wer darauf keine belastbare Antwort geben kann, verliert das Gespräch – unabhängig von der Qualität des Angebots. Vertriebsteams ohne Zugriff auf den aktuellen Bauzustand antworten entweder vage oder optimistisch. Beides schadet.

Verlorene Rückläufer

Im Feld entstehen fortlaufend bauverwertbare Informationen: verweigerte Grundstückszustimmungen, nicht erreichbare Eigentümer, Zugangsprobleme in Mehrfamilienhäusern, falsch erfasste Adressbestände. Ohne definierten Rückkanal versanden diese Informationen in der Vertriebsdatenbank und tauchen erst wieder auf, wenn die Kolonne vor Ort steht und nicht weiterkommt.

Der Vertrieb erhebt im Feld genau die Daten, die der Bau braucht – und gibt sie in den meisten Projekten nirgendwohin weiter.

Was Integration praktisch bedeutet

Integration heißt nicht, dass dieselben Personen bauen und verkaufen. Sie heißt, dass beide Prozesse auf denselben Gebietsstand zugreifen und in beide Richtungen Daten austauschen. Vier Elemente sind dafür ausreichend.

ElementWas es leistet
Gemeinsamer GebietsstatusEin gemeinsamer Stand je Adresse: geplant, genehmigt, im Bau, anschlussfertig, in Betrieb. Der Vertrieb spricht an, was ansprechbar ist.
Definierter RückkanalZustimmung, Ablehnung und Zugangsprobleme fließen strukturiert in die Bauplanung – nicht als E-Mail, sondern als Feldstatus.
Abgestimmtes ZeitfensterAnsprache im Korridor zwischen gesicherter Planung und Inbetriebnahme, gebietsscharf statt kampagnenweit.
Zweitansprache nach InbetriebnahmeSystematische erneute Ansprache aller Haushalte, die in der Vorvermarktung abgelehnt haben.

Die Zweitansprache ist der größte ungenutzte Hebel

In der Vorvermarktung wird eine Entscheidung unter Unsicherheit verlangt. Der Haushalt soll sich für ein Netz entscheiden, das noch nicht existiert, mit einem Termin, der noch nicht feststeht. Ein erheblicher Teil der Ablehnungen ist genau darauf zurückzuführen – nicht auf mangelndes Interesse.

Nach Inbetriebnahme ist diese Unsicherheit vollständig entfallen. Die Faser liegt, der Anschluss ist in Tagen herstellbar, Nachbarn nutzen ihn bereits. Dieselbe Person, die vor achtzehn Monaten abgelehnt hat, entscheidet nun unter völlig anderen Voraussetzungen.

In der Praxis wird diese Gruppe selten erneut angesprochen, weil das Kampagnenbudget mit dem Baubeginn ausgelaufen ist. Damit bleibt der günstigste verfügbare Absatzkanal ungenutzt: Haushalte, die bereits erschlossen sind, deren Anschlusskosten bereits angefallen sind und bei denen jeder zusätzliche Vertrag unmittelbar auf die Rendite des bestehenden Netzes wirkt.

Was sich messen lässt

Wer Ausbau und Vertrieb zusammenführt, sollte auch die Kennzahlen zusammenführen. Getrennte Messung zementiert die Trennung.

  • Take-up je Ausbaugebiet statt aggregiert über das Gesamtnetz
  • Zeitabstand zwischen Inbetriebnahme und erstem aktiven Vertrag je Adresse
  • Konversion der Zweitansprache gegenüber der Vorvermarktung
  • Anteil bauverwertbarer Rückläufer aus dem Feld, die tatsächlich in die Planung eingeflossen sind

Einordnung

Die deutsche Anschlussquote ist keine kulturelle Eigenheit und kein Technologieproblem. Sie ist das Ergebnis einer Arbeitsteilung, die den Bau für die Infrastruktur und den Vertrieb für den Absatz zuständig macht – während die entscheidende Kennzahl von beiden gemeinsam abhängt.

Netzbetreiber, die den Feldvertrieb als Teil der Ausbauplanung behandeln statt als nachgelagerte Dienstleistung, arbeiten mit einem strukturellen Vorteil. Er zeigt sich nicht in schnellerem Bau, sondern in der einzigen Zahl, die am Ende die Rendite bestimmt.

Quellen

  1. BREKO Bundesverband Breitbandkommunikation: BREKO Marktanalyse. https://brekoverband.de/aktuelles/breko-marktanalyse/
  2. DNS:NET: Glasfaser-Ausbau Deutschland – Wo stehen wir wirklich?. https://www.dns-net.de/news/glasfaser-laendervergleich-deutschland
  3. tktVivax Group: Vorvermarktung von Glasfasernetzen – Strategie und Hebel. https://tkt-vivax.de/kachelinhalt/vorvermarktung-von-glasfasernetzen-strategie-und-hebel
  4. Gigabitbüro des Bundes: Neue Marktanalyse des BREKO veröffentlicht. https://gigabitbuero.de/artikel/neue-marktanalyse-des-breko-veroeffentlicht/

Alle Quellen zuletzt geprüft im Juli 2026. Angaben Dritter geben wir mit Verweis wieder; Einordnungen und Schlussfolgerungen stammen von uns.

Fachredaktion We-three GmbH

Die We-three GmbH aus Köln arbeitet deutschlandweit in den Bereichen Vertrieb & Marketing, Mietwagenmanagement und Glasfaserinfrastruktur. Die Beiträge stützen sich auf öffentlich zugängliche Quellen, die am Ende jedes Artikels vollständig genannt und verlinkt sind.

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