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Recht

Werkvertrag oder Arbeitnehmerüberlassung? § 1b AÜG im Glasfaserausbau

Personalengpässe im Tiefbau lassen sich nicht ohne Weiteres über Zeitarbeit lösen. Das AÜG enthält für das Baugewerbe ein grundsätzliches Verbot – mit einer Ausnahme, auf die es ankommt.

Fachredaktion We-three GmbH 8 Minuten Lesezeit
Fachpublikum bei einer Präsentation

Der Fachkräftemangel im Glasfaserausbau ist gut dokumentiert: Nahezu zwei Drittel der Tiefbaubetriebe melden Engpässe. Der naheliegende Reflex – fehlende Kapazität über Personaldienstleister zuzukaufen – stößt im Baugewerbe jedoch auf eine Schranke, die außerhalb der Branche wenig bekannt ist.

Nach § 1b AÜG ist die Überlassung von Arbeitnehmern durch klassische Zeitarbeitsunternehmen in Betriebe des Baugewerbes grundsätzlich untersagt. Zulässig ist sie nur, wenn sie ausschließlich zwischen Baubetrieben erfolgt – und auch dann nur unter weiteren Voraussetzungen.

Hinweis: Dieser Beitrag gibt einen fachlichen Überblick und ersetzt keine Rechtsberatung. Die Beurteilung eines konkreten Modells gehört in anwaltliche Hände.

Warum es dieses Verbot gibt

Die Regelung stammt aus arbeitsmarktpolitischen Erwägungen: Das Baugewerbe verfügt über eigene Sozialkassensysteme und tarifliche Strukturen, die durch Zeitarbeit unterlaufen werden könnten. Das Verbot soll verhindern, dass diese Systeme umgangen und Beschäftigungsbedingungen im Bau abgesenkt werden.

Für die Praxis bedeutet das: Wer im Glasfaserausbau Tiefbaukapazität zukauft, muss klären, auf welcher rechtlichen Grundlage das geschieht. Die Frage ist nicht akademisch – sie entscheidet über Beitragspflichten, Haftung und im Zweifel über den Bestand des gesamten Vertragsverhältnisses.

Die entscheidende Abgrenzung

In der Praxis werden Fremdleistungen im Bau überwiegend nicht als Arbeitnehmerüberlassung, sondern als Werk- oder Dienstvertrag vergeben. Die Unterscheidung ist rechtlich klar definiert, in der Umsetzung aber anfällig für Abweichungen.

MerkmalWerkvertragArbeitnehmerüberlassung
Geschuldet istein Erfolg – die fertige Leistungdie Arbeitsleistung als solche
Weisungsrechtbeim beauftragten Unternehmenbeim Entleiher
Arbeitsorganisationdurch den Auftragnehmer, eigene Aufsichtdurch den Entleiher, eingegliedert in dessen Betrieb
Gewährleistungder Auftragnehmer haftet für den Erfolgkeine Erfolgshaftung des Verleihers
Abrechnungnach Leistung, Aufmaß oder Pauschalenach Zeit
Im Baugewerbezulässignach § 1b AÜG grundsätzlich untersagt

Wo aus einem Werkvertrag faktisch Überlassung wird

Der rechtlich riskanteste Zustand ist nicht die bewusste Arbeitnehmerüberlassung, sondern der Werkvertrag, der in der Ausführung wie Überlassung gelebt wird. Für die Beurteilung ist nicht die Bezeichnung im Vertrag maßgeblich, sondern die tatsächliche Durchführung.

Typische Indizien, die gegen einen echten Werkvertrag sprechen, sind in der Praxis gut erkennbar:

  • Die Fachkräfte des Auftragnehmers erhalten arbeitstägliche Anweisungen von der Bauleitung des Auftraggebers
  • Sie sind in Schicht- und Urlaubsplanung des Auftraggebers eingebunden
  • Sie arbeiten in gemischten Kolonnen ohne abgrenzbaren eigenen Leistungsumfang
  • Abgerechnet wird nach Stunden statt nach Leistung oder Aufmaß
  • Es gibt keinen abgrenzbaren, abnahmefähigen Leistungsgegenstand
  • Werkzeug, Material und Fahrzeuge stellt ausschließlich der Auftraggeber

Für die rechtliche Einordnung zählt nicht, was im Vertrag steht, sondern wie auf der Baustelle gearbeitet wird.

Was ein sauberer Werkvertrag im Glasfaserausbau braucht

Die gute Nachricht: Der Glasfaserausbau eignet sich strukturell gut für echte Werkverträge. Die Leistungen sind abgrenzbar, messbar und abnahmefähig – Trassenmeter, Muffen, Hausanschlüsse, geprüfte Strecken. Das ist eine deutlich bessere Ausgangslage als in vielen anderen Branchen.

  1. Abgrenzbarer Leistungsgegenstand: definierte Abschnitte, nicht „Unterstützung im Tiefbau"
  2. Eigene Aufsicht: der Auftragnehmer stellt eine weisungsbefugte Führungskraft vor Ort
  3. Leistungsbezogene Abrechnung: Aufmaß oder Pauschale statt Stundenlohn
  4. Eigene Abnahme: der Leistungsumfang wird separat abgenommen und dokumentiert
  5. Gewährleistung: der Auftragnehmer haftet für seinen Abschnitt
  6. Klare Kommunikationswege: Koordination zwischen den Bauleitungen, nicht zwischen Auftraggeberbauleitung und einzelnen Fachkräften

Nicht jede Rolle im Glasfaserausbau ist Baugewerbe

Eine wichtige Differenzierung: Das Verbot des § 1b AÜG bezieht sich auf Betriebe des Baugewerbes und auf Tätigkeiten, die dem Baugewerbe zuzuordnen sind. Ob eine bestimmte Tätigkeit im Glasfaserumfeld darunterfällt, ist eine Einzelfallbeurteilung.

Planerische, kaufmännische und dokumentarische Tätigkeiten – Netzplanung, Projektsteuerung, GIS-Dokumentation, Rollout-Koordination – sind typischerweise anders einzuordnen als Tiefbau- und Montagearbeiten auf der Baustelle. Diese Abgrenzung sollte jedoch nicht überschlägig vorgenommen werden; sie gehört fachkundig geprüft, bevor ein Vertragsmodell gewählt wird.

Einordnung

Der Personalengpass im Glasfaserausbau ist real und wird sich kurzfristig nicht auflösen. Er rechtfertigt jedoch keine Vertragskonstruktionen, deren Zulässigkeit ungeklärt ist. Die Folgen einer Fehleinordnung treffen beide Seiten – Auftraggeber wie Auftragnehmer – und reichen von Beitragsnachforderungen bis zu Fragen des Bestands der Arbeitsverhältnisse.

Wer Kapazität zukauft, sollte daher früh klären, welches Modell zugrunde liegt, und die tatsächliche Zusammenarbeit an diesem Modell ausrichten. Im Glasfaserausbau ist das gut machbar – gerade weil sich die Leistungen sauber abgrenzen und abnehmen lassen.

Quellen

  1. HK2 Rechtsanwälte: Arbeitnehmerüberlassung in die Baubranche. https://www.zeitarbeit-und-recht.de/arbeitnehmerueberlassung-in-die-baubranche/
  2. DIHK: Fachkräftereport 2025/2026 (PDF). https://www.dihk.de/resource/blob/159714/0ae2cf7cc1789688edf318a7655ad5d4/dihk-fachkraeftereport-2025-2026-data.pdf
  3. SBR-net Consulting: Studie – Flächendeckender Glasfaserausbau kann erheblich beschleunigt werden. https://www.sbr-netconsulting.com/de/veroeffentlichungen/news-sammlung/studie-flaechendeckender-glasfaserausbau-kann-erheblich-beschleunigt-werden/
  4. Gigabitbüro des Bundes: Fachkräfte für den Glasfaserausbau. https://gigabitbuero.de/thema/fachkraefte-fuer-den-glasfaserausbau/

Alle Quellen zuletzt geprüft im Juli 2026. Angaben Dritter geben wir mit Verweis wieder; Einordnungen und Schlussfolgerungen stammen von uns.

Fachredaktion We-three GmbH

Die We-three GmbH aus Köln arbeitet deutschlandweit in den Bereichen Vertrieb & Marketing, Mietwagenmanagement und Glasfaserinfrastruktur. Die Beiträge stützen sich auf öffentlich zugängliche Quellen, die am Ende jedes Artikels vollständig genannt und verlinkt sind.

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